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Hallo
Orca-Freunde,
hier nun
der Bericht aus Nordnorwegen, Offersøy dem „Tor zu den Lofoten“.
Einige
Tage sind wir nun unterwegs im Vestfjord, um die Orcas zu finden. Nicht
optimales Wetter in den ersten Tagen lies die Suche erschweren und es
war schwierig die Rückenfinnen auszumachen. Einige verstreute Gruppen
waren zu sehen und es gelang uns, sich ihnen zu nähern. Die Familien
waren auf der Suche nach den Heringsschwärmen. Elegant und zügig gleiten
diese hochintelligenten Tiere durch den Vestfjord. Wir bleiben dran und
können die ersten Fotos schießen.
Von
Minute zu Minute ändert sich das Wetter auf dem Vestfjord und nun wissen
wir, warum der Trocki oder warme Thermoanzüge wichtig sind.
Endlich
ist es soweit, 3 Stunden Suchfahrt zahlen sich aus. Wir kommen nah genug
an eine Gruppe heran und folgen ihnen langsam, im akzeptablen Abstand,
damit sie sich nicht gestört fühlen. Viele halbwüchsige Tiere sind zu
sehen, deren Größe wir mit ca.2,5-3,5m Länge schätzen. Plötzlich taucht
ein großes Schwert aus dem Wasser. Eine 1,60m große Rückenfinne ist in
nur 10m Abstand zum Boot zu sehen. 2-3x zieht der Bulle seine Bahn, um
dann wieder für einige Minuten abzutauchen. Wir schätzen dieses Männchen
auf 5-6m Länge. Alle Teilnehmer auf unserem Boot schießen viele Fotos
und im Nu ist die Gruppe abgetaucht und bleibt unter Wasser. Nun heißt
es wieder warten und Ausschau halten. Wir haben Glück, die Gruppe Orcas
bleibt nur 5 Minuten unter Wasser und einer an Bord ruft: „Orcas 2 Uhr
in 500“. Auf geht’s, langsam die Herde anfahren und nicht beim
Durchstreifen des Vestfjordes stören. Wir haben ein zweites Mal Glück
und können diese Gruppe wiederum begleiten. Es frischt auf und fängt an
zu regnen. Die Wellen werden höher und es ist auch Zeit, wieder nach
Offersøy, unserem Stützpunkt, zurückzukehren. Um 16.15 Uhr legen wir
wieder an und es ist dunkel. Auf geht’s, die Fotos und Filme zu
sichten.
Nachdem
wir mit der Ausbeute der Fotos fürs erste zufrieden sind, hoffen wir auf
das versprochene, bessere Wetter laut Vorhersage. Tatsächlich, der
nächste Morgen ist windstill. Keine Wellen zu sehen. Na ja dachten wir,
mal sehen wie es draußen im Vestfjord aussieht? Nach ausreichendem,
gemütlichem Frühstück starten wir den Motor des Finnmasters um 08.00
Uhr. Auf geht’s. Nach 8 Minuten Fahrt stoppen wir und stehen mitten auf
dem Vestfjord. Absolut ruhiges Wetter, keine Wellen, optimale
Voraussetzungen, so dachten wir am frühen Morgen und alle hoffen, dass
es so bleibt. Wir suchen den Vestfjord nach allen Himmelsrichtungen ab,
um den Blas zu sehen oder sogar die Rückenfinnen der Orcas auszumachen.
Weiter 30 Minuten Suchfahrt und endlich haben wir eine Gruppe gesichtet.
Wir fahren diese an und nähern uns wieder. Noch suchen sie, aber wir
sind sicher, heute wird ein guter Tag. Plötzlich stoppt die Gruppe und
beginnt mit der Jagd. Wir machen uns fertig und warten auf den Absprung.
Vom Skipper Marco kommt das Signal „Fertig machen“, alle sind bereit
sich behutsam ins Wasser gleiten zu lassen. Dann der Ruf „Leerlauf“ und
es geht los. Rein ins Wasser und an der Oberfläche liegen bleiben und
warten. Die Orcas jagen, viele Schuppen von den Heringen treiben im
Wasser und es sieht aus, als wenn unter Wasser Schneetreiben herrscht.
Plötzlich sind sie da. Jungtiere und Halbwüchsige nähern sich und wir
werden gemustert und begutachtet. Alles aus 2-4m Entfernung. Einfach
unglaublich und faszinierend. Da wir nicht in das Beuteschema passen,
denkt sich der Orca: „ach die schon wieder“ und taucht wieder ab, um
seine Jagd nicht weiter zu unterbrechen.
Da, ein
großer Schwarm Heringe schwimmt unter uns, schnell sind die Orcas zur
Stelle und schlagen mit ihrer mächtigen Fluke. Viele Heringe taumeln und
nun beginnen die Schwertwale an zu fressen. Kreuz und quer, von links
oder rechts, oben und unten, sind sie da. Nach wenigen Sekunden ist
alles vorbei und wir sind allein, umgeben von vielen „Schneeflocken“.
Wir geben das verabredete Zeichen zum Boot: „Abholen bitte“. Auf ein
Neues.
Dieses
Glück soll uns in den nächsten 2 Tagen begleiten und jeder hat die
Möglichkeit mehrmals die Schwertwale life, aus nächster Nähe im Wasser
zu erleben. Grandios.
Draußen
auf dem Vestfjord oder in nur 5-6 km Entfernung von unserer Basis
Offersøy, können wir das Treiben der Schwertwale miterleben, das kann
man nicht mit Worten wiedergeben, man muss es erlebt haben. Den
krönenden Abschluss diese Tage, mit optimalen Bedingungen, erleben wir
mit einem farbenfrohen Sonnenuntergang. Es ist 15.35 Uhr. Wir genießen
die letzte halbe Stunde und fahren dann zur Basis zurück.
Das
Auswerten der Fotos bringt dann Überraschungen: Es ist ein Vielfaches
von gutem Bildmaterial entstanden.
3 Tage
stabiles, ruhiges Wetter. So hatten wir die Zeit, die Schönheit und
Faszination dieser Gegend (Vestfjord mit Blick zu den Lofoten und
Vesterålen) kennen zu lernen und zu genießen. Durch die ruhige
Wetterlage, war es uns möglich mehrmals zu den Schwertwalen ins Wasser
zu gehen und das Treiben aus nächster Nähe zu beobachten. Ein seltenes
Schauspiel war dann Tilo und Florian vorbehalten. Wir sahen am Horizont
einen sehr hohen Blas. Also auf in diese Richtung. Mit dem Fernglas
konnten wir Finnwale ausmachen. Souverän steuerte Marco den Finnmaster
bis auf 15m Entfernung, parallel heran. Die Geschwindigkeit wurde
angepasst und alle machten sich fertig, um ins Wasser zu gehen. Zu spät,
die Finnwale tauchen ab und nun heißt es warten und hoffentlich behalten
die Finnwale ihre Richtung bei. Wir hatten Glück, nach 7-8 Minuten sind
sie wieder an der Oberfläche, um neu tief durch zu atmen. Das Boot wird
in einiger Entfernung vor den Finnwalen gestoppt. Motor aus und rein ins
Wasser. Da kommen sie und tauchen direkt vor Tilo und Florian in die
Tiefe ab. Unter uns sind ca. 450-500m Wassertiefe. Es dauert nur
Sekunden und es ist ein ca. 15-18m großer Finnwal in nur 5m Entfernung
abgetaucht. Tilo ruft zum Boot: „Wauh, ein U-Boot ist gerade vorbei
gekommen“.
Ein
grandioser Sonnenuntergang beendet den Tag und wieder haben wir 30
Minuten Rückfahrt nach Offersøy vor uns.
Da das
Wetter sich verschlechtern soll, beschließen wir den 2. Teil unserer
Reise vorzuziehen. Auf nach Narvik (3 Std. Autofahrt) und dann beginnen
wir mit dem Wracktauchen in dieser Gegend. Narvik hat viele Wracks, die
während der Zeit April 1940 dort untergegangen sind.
Bei Regen
machen wir uns auf nach Narvik. Ein kurzer Anruf und die Unterkunft für
die nächsten Tage ist vorreserviert. Nach 3 Std. sind wir in Narvik
City. Da weiterhin Regen für den nächsten Tag angesagt ist, beschließen
wir zuerst einen Besuch im Museum, wo viele Infos und Relikte während
der Zeit April-Juni 1940 ausgestellt sind. Durch Bergungsaktionen und
Funde norw. Sporttaucher, sind viele Originalteile von deutschen und
englischen Zerstören zu besichtigen. Kartenmaterial lässt die Zeit
nachvollziehbar machen und so bekommen wir einen Überblick über die
Untergänge der einzelnen Schiffe.
Wir
fahren zum Hafendirektor und besorgen uns die erforderliche
Tauchgenehmigung. Diese gilt für Narvik-Hafen und es können die
Erzschiffe – Romanby, Neuenfels, Strassa, Martha Hendrik Fisser, sowie
die Zerstörer AS, WH, DvR betaucht werden. An den norw. Panzerschiffen
Eidsvold und Norge ist es verboten zu tauchen. Weiterhin erfahren wir,
dass die 4 selbstversenkten dt. Zerstörer im Rombaksbotn nicht betaucht
werden dürfen. Munition und Oil ist noch vorhanden, daher sagt Polizei
und Militär nein (Achtung: ein Bericht von einer anderen dt. Tauchgruppe
aus dem Sommer 2005, kann daher nicht gut geheißen werden). Auch dürfen
keine Gegenstände entfernt bzw. mitgenommen werden. Es werden Kontrollen
durchgeführt und bei Zuwiderhandlungen folgen hohe Geldstrafen oder auch
Gefängnisstrafen. Von einigen Bekannten wird mir diese Vorgehensweise
bestätigt.
Der 1.
Tauchgang wird am dt. Erzfrachter „Neuenfels“ durchgeführt. Durch das
nicht optimale Wetter der vergangenen Tage, haben wir nur 10m
Sichtweiten. 140m Länge, lassen sich bei Tiefen von 13m am Deck, bis
max. 24m Grund, gemütlich besichtigen. Achtern an Backbord finden wir
den Torpedotreffer und nach 50 Minuten wird es langsam kalt bei
Wassertemperaturen von 6 Grad.

Am 2. Tag
beschließen wir die Ju-52 zu betauchen. Da wir einen Privatweg zum
Hartvikvatn benutzen, stehen uns ca.10 Minuten Fußmarsch mit kompletter
Ausrüstung bevor. Dieses Jahr liegt kein Schnee, wie 2004 zur gleichen
Zeit. 2 Grad Wassertemperatur lassen uns 35 Minuten tauchen.

In den
letzten 2 Tagen in Narvik planen wir den unter Land liegenden dt.
Zerstörer „Hermann Künne“ zu betauchen. Leider ist die Schranke an der
alten Küstenstr. geschlossen und so stehen wieder 15 Minuten Fußmarsch
mit Ausrüstung bevor. Über Nacht wurde es kälter um Narvik und am
zweiten Tag bei „HK“ mussten wir durch Schnee wandern. Am stark
beschädigten Zerstörer waren noch viele Einzelheiten eines 120m langen
Schiffes zu erkennen. Lohnenswert auf jeden Fall.

Es wird
kälter, Schnee liegt teilweise auf den Straßen und es werden die Reifen
gegen Spike-Reifen gewechselt. Somit haben wir keine Probleme, wieder
den Weg nach Offersøy zu fahren, um weitere Tage mit den Orcas zu
verbringen.

Wieder in
Offersoy angekommen, besprechen wir mit dem Eigentümer unsere nächsten
Ausfahrten und erkundigen uns nach der Wetterlage für die nächsten Tage.
Es soll kälter werden und damit bleibt das Wetter stabiler, d.h. wenig
Wind. Am nächsten Morgen schauen wir aus dem Fenster und sehen einen
herrlichen Sonnenaufgang. Minimaler Wind und keine Wellen, nur leicht
bewegtes Wasser. Frühstücken, Foto- und Filmausrüstung checken und dann
geht es raus auf den Vestfjord in Richtung Tysfjord. Am Abend sahen wir
dort viele Heringsfischer und wir erwarten dort die Orcas. Wir brauchen
nicht lange zu fahren und schon sehen wir die ersten Finnen aus dem
Wasser auf- und abtauchen. Sie ziehen zum Tysfjord. Es vergehen 2,5 Std.
bis nun die Gelegenheit kommt, zum Schnorcheln ins Wasser zu gehen. Die
Orcas sind beim Jagen. Es ist eine kleine Gruppe mit 6-8 Tieren. Genau
lässt sich die Gruppe nicht zählen, da immer wieder an unterschiedlichen
Stellen im Umkreis von 20m zum Boot, die Finnen aus dem Wasser stechen.
2 Schnorchler sind im Wasser und geben immer wieder Zeichen, dass die
Orcas direkt unter ihnen jagen. Nach 8-10 Minuten ist alles vorbei und
die Gruppe ist abgetaucht. Wieder rein ins Boot suchen und warten bis
eine neue Gruppe zu sehen ist.
Da der
Tysfjord kleiner gegenüber dem Vestfjord ist, ist es an diesem sonnigen
Tag einfacher mit der Suche. Es sind nun auch die Boote mit anderen „whale-watchern“
da (Gäste aus Schweden, Holland, Norwegen, Russland).
Hier
herrscht ein ungeschriebenes Gesetz, welches besagt: wer zuerst an einer
Gruppe dran ist, der hat Vorrecht. Es müssen sich andere Boote hinten
anstellen und abwarten oder eine neue Gruppe suchen. Alle halten sich
daran und so kann jeder mit tollen Fotos und auch Erlebnissen beim
Schnorcheln, nach Hause fahren.
In den
nächsten und letzten Tagen unserer Orca-Tour 2005 haben wir das Glück,
mit mehreren, kleinen und großen Orcagruppen im Wasser sein zu dürfen.
FAZIT:
Die Orcas
leben hier in Nordnorwegen in freier Natur. Es sind keine angefütterten
Tiere, die wie Zootiere immer am selben Standort anzutreffen sind. Wir
mussten teilweise auch 2-3 Tage abwarten, um an ihnen heranfahren zu
können. Die Gelegenheit zu bekommen, dann die hochintelligenten Tiere
von der Wasseroberfläche beim Jagen in nur 2-3m Entfernung vom
Schnorchler oder auch direkt unter unserem Boot aus beobachten zu
können, ist ein grandioses Naturschauspiel hier in Nordnorwegen. Keine
Angst, es war nicht eine gefährliche Situation dabei, selbst wenn der
Orca mit Hering im Maul auf uns zu geschwommen kam. Er sah uns an und
verschwand dann wieder.
Grundsatz
Nicht wir
gehen zu den Orcas – die Orcas kommen zu
uns
Wir haben
diese Regel befolgt und fantastische Tage und Momente erlebt. Wenn keine
Möglichkeiten gegeben waren, uns ihnen zu nähern, so konnten wir viele
Seeadler und natürlich unzählige von Möwen bei der Jagd nach dem Hering
beobachten. Der krönende Abschluss war dann noch eine Gruppe von Robben,
die ebenfalls über und unter Wasser beobachtet werden konnte.
Am Abend
in die Sauna, die Spezialitäten des Nordens (Walsteak und Rensteak) zu
probieren, sowie natürlich die vielen selbst geangelten Fische zu
grillen und nicht zu vergessen an sternenklaren Abenden, das Nordlicht
in verschiedenen Farben betrachten zu können, das sind bleibende
Erinnerungen.
Ich hoffe
nun, allen interessierten Lesern einen kurzen Einblick der “Orca-Tour
2005“ gegeben zu haben und ein paar interessante Fotos beigelegt zu
haben.
Wenn
Du/Ihr nun mehr wissen möchtet, so schreib einfach eine eMail an
norway-team-frank@gmx.net oder besuche die Internetseiten
www.norway-team.com
www.orca-norway.de
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